Wildcamping in Oberbayern ist ohne Erlaubnis des Grundeigentümers verboten. Das bayerische Betretungsrecht erlaubt Wandern, aber kein Zelten und kein geplantes Übernachten im Freien. In Naturschutzgebieten wie dem Karwendel oder dem Nationalpark Berchtesgaden ist es auch mit Erlaubnis tabu. Erlaubt bleibt nur das Notbiwak.
- Zelten nur mit Zustimmung des Eigentümers, nie in Naturschutzgebieten.
- Geplantes Biwakieren gilt rechtlich wie Zelten.
- Bußgeld meist 10 bis 500 Euro, in Schutzgebieten deutlich mehr möglich.
- Offizielle Trekkingplätze gibt es in den bayerischen Alpen bisher nicht.
- Legal: Campingplätze, private Stellplätze per App, DAV-Hütten und Winterräume.
Wie ist die Rechtslage beim Wildcampen in Bayern?
Art. 26 des Bayerischen Naturschutzgesetzes gibt jedem das Recht auf Erholung in der freien Natur. Die Grenze zieht das Umweltministerium in seiner Vollzugsbekanntmachung von 2020. Danach sind Zelten, Wohnwagen und Übernachten im Freien vom Betretungsrecht nicht gedeckt. Dafür brauchst du die Zustimmung des Eigentümers.
Was regelt Art. 27 BayNatSchG zum Betretungsrecht?
Art. 27 erlaubt jedem, alle Teile der freien Natur unentgeltlich zu betreten. Dazu zählen Wald, Bergweide, Fels, Uferstreifen und Wiesen. Die Grenzen regeln Art. 30 bis 32. Praktisch heißt das: Du darfst überall wandern und rasten. Für die Nacht brauchst du aber eine Erlaubnis. Für Plätze mit mehr als drei Zelten gilt zusätzlich Art. 25 LStVG, dann ist die Gemeinde zuständig.
Zelten, Biwakieren, Notbiwak: Wo liegt der Unterschied?
| Begriff | Bedeutung | In Bayern |
|---|---|---|
| Zelten | Übernachten im aufgebauten Zelt | nur mit Erlaubnis des Eigentümers |
| Biwakieren | Geplante Nacht ohne Zelt, etwa im Biwaksack | rechtlich wie Zelten behandelt |
| Notbiwak | Ungeplante Nacht wegen Unwetter, Verletzung oder Dunkelheit | zulässig, außer Feuer |
Der Deutsche Alpenverein stellt klar: Viele Regionen setzen geplantes Biwakieren dem Zelten gleich. Wer die Nacht am Gipfel von Anfang an einplant, kann sich nicht auf einen Notfall berufen.
Welche Ausnahmen gibt es?
Das Notbiwak ist die wichtigste Ausnahme. Im Landkreis Eichstätt dürfen Bootswanderer an ausgewiesenen Bootsrastplätzen entlang der Altmühl zelten. Gemeinden und Landratsämter können eigene Verordnungen erlassen. Prüfe deshalb vor jeder Tour die Regeln vor Ort.
Darf ich im Auto oder Wohnmobil übernachten?
Eine Nacht im Fahrzeug ist erlaubt, um wieder fahrtüchtig zu werden. Das gilt nur dort, wo Parken erlaubt ist. Stühle, Markise oder Grill machen daraus Camping. Am Walchensee, am Sylvenstein und an vielen Seeparkplätzen ist Übernachten ausdrücklich verboten.
Wie regeln andere Bundesländer das Wildcampen?
Bayern ist vergleichsweise streng. Brandenburg erlaubt Wanderern, Radfahrern und Wasserwanderern eine Nacht im Zelt in der freien Landschaft. Mecklenburg-Vorpommern erlaubt eine Nacht mit Zustimmung des Eigentümers. In Bayern gibt es keine solche Regel.
Welche Strafen drohen beim illegalen Campen?
Wildcampen ist eine Ordnungswidrigkeit. Die Höhe richtet sich nach Ort und Dauer. Der bayerische Bußgeldkatalog nennt folgende Spannen:
| Verstoß | Mögliche Folge |
|---|---|
| Zelt oder Wohnwagen in der freien Natur | 10 bis 200 Euro |
| Dasselbe im Landschaftsschutzgebiet | 15 bis 250 Euro |
| Dasselbe im Naturschutzgebiet | 50 bis 500 Euro |
| Längeres Abstellen eines Wohnwagens im Naturschutzgebiet | 50 bis 2.500 Euro |
| Verstoß gegen Schutzgebietsverordnung | bis 50.000 Euro (Höchstrahmen Art. 57 BayNatSchG) |
| Feuer im Wald oder näher als 100 m | Ordnungswidrigkeit nach BayWaldG |
Im Nationalpark Berchtesgaden kontrollieren Ranger auch früh morgens und spät abends. Wer nach dem letzten Schiff in St. Bartholomä oder Salet zum Übernachten bleibt, fährt mit einem Sonderboot zurück und zahlt selbst.
Was gilt in Natur- und Landschaftsschutzgebieten?
In Oberbayern liegen viele beliebte Ziele in Schutzgebieten. Dort hilft auch die Erlaubnis des Eigentümers nicht.
| Gebiet | Regel |
|---|---|
| Nationalpark Berchtesgaden | Zelten, Feuer und Übernachten außerhalb von Hütten verboten |
| NSG Karwendel und Karwendelvorgebirge | Zelten und Übernachten im Fahrzeug verboten |
| NSG Ammergebirge | Zelten und Übernachten im Freien verboten |
| Isar und Sylvensteinsee (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) | Übernachten in Zelt und Wohnmobil sowie Grillen verboten |
| Walchensee (Landschaftsschutzgebiet) | Übernachten in der freien Natur verboten |
Die Grenzen der Schutzgebiete findest du im BayernAtlas. Auskunft gibt die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt.
Welche legalen Alternativen gibt es in Oberbayern?
Gibt es Trekking- und Biwakplätze in den bayerischen Alpen?
Bisher nicht. Bayerische Trekkingplätze liegen im Spessart, Steigerwald, Frankenwald und Oberpfälzer Wald. In den Bergen bleiben Hütten die Alternative. Winterräume der Alpenvereinshütten sind meist offen oder mit AV-Schlüssel zugänglich und kosten eine Gebühr. Selbstversorgerhütten der Sektion München und Oberland buchen nur Mitglieder.
Welche naturnahen Campingplätze gibt es in Oberbayern?
Diese Plätze liegen nah an Bergen und Seen und haben auch im Herbst geöffnet.
Naturcampingpark Isarhorn, Mittenwald
Ort: Am Horn 4, 82481 Mittenwald
Alpen-Caravanpark Tennsee, Krün
Ort: Am Tennsee 1, 82494 Krün
Camping Lindlbauer, Inzell
Ort: Kreuzfeldstraße 44, 83334 Inzell
Camping-Resort Allweglehen, Berchtesgaden
Ort: Allweggasse 4, 83471 Berchtesgaden
Die Plätze am Walchensee und am Kochelsee haben bereits geschlossen und öffnen wieder Ende April 2027.
Welche Apps vermitteln private Zeltplätze?
| Plattform | Angebot | Preis pro Nacht |
|---|---|---|
| 1nitetent | eine Nacht im Garten von Gastgebern | kostenlos |
| AlpacaCamping | private Stellplätze, in Oberbayern etwa in Kochel, Uffing und Gmund | etwa 19 bis 45 Euro |
| Hinterland | private Plätze für Zelt und Wohnmobil | meist 20 bis 30 Euro |
| Campspace | Zelt, Wohnmobil und Glamping | etwa 12 bis 35 Euro |
Wie frage ich einen Landwirt um Erlaubnis?
Frag vorher persönlich oder telefonisch, nicht erst am Abend auf der Wiese. Nenne Personenzahl, Zeltgröße und Dauer. Biete an, keine Spuren zu hinterlassen. Ein Beispiel: „Grüß Gott, wir sind zu zweit auf Wandertour. Dürften wir heute auf Ihrer Wiese am Waldrand ein kleines Zelt aufstellen? Wir machen kein Feuer und sind morgen um acht Uhr weg.“
Kläre dabei auch Zufahrt, Tiere auf der Weide und Wasser. Ein kleines Dankeschön oder der Einkauf im Hofladen kommt gut an.
Wie verhalte ich mich richtig in der Natur?
Nimm allen Müll wieder mit, auch Essensreste. Bleib auf Wegen und meide Schilf, Moore und Brutplätze. Verrichte die Notdurft weit weg von Gewässern und vergrabe sie. Sei leise und störe kein Wild in der Dämmerung. Bleib nur eine Nacht und baue früh am Morgen ab.
Ist Feuer oder Kochen erlaubt?
Offenes Feuer im Wald oder näher als 100 Meter davon braucht eine Erlaubnis nach Art. 17 BayWaldG. Das gilt das ganze Jahr. Vom 1. März bis 31. Oktober gilt im Wald zudem Rauchverbot. Ein Gaskocher an einem sicheren Platz ist die bessere Wahl. In Schutzgebieten ist oft auch Grillen verboten.
Welche Gefahren gibt es beim Biwakieren in den Alpen?
In den Bergen kommen Gewitter oft schnell und heftig. Meide Grate, Gipfel und einzelne Bäume. Steinschlag droht unter Felswänden und in Rinnen. Im Winter und Frühjahr lauern Lawinen. Auch im Sommer kann die Temperatur nachts unter null Grad fallen. Plane deshalb immer so, dass du eine Hütte oder das Tal erreichst. Ein Biwaksack gehört trotzdem für den Notfall in den Rucksack.
Häufige Fragen zum Wildcamping in Oberbayern
Ist eine Hängematte im Wald erlaubt?
Tagsüber zum Ausruhen ja, wenn du keine Bäume beschädigst. Für eine Übernachtung brauchst du die Erlaubnis des Waldbesitzers.
Wer ist für Genehmigungen zuständig?
Für das Grundstück der Eigentümer. Für Schutzgebiete und Verordnungen die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt, etwa in Rosenheim oder Garmisch-Partenkirchen.
Gilt das auch im Alpenvorland?
Ja. Was zwischen München und den Bergen gilt, erklärt unser Artikel Wildcamping im Alpenvorland, auch mit den Regeln in Österreich.
Quellen: BayNatSchG Art. 26, 27, 57; Vollzugsbekanntmachung des StMUV vom 27.11.2020 (BayMBl. 2020 Nr. 755); Art. 25 LStVG; Art. 17 BayWaldG; Bußgeldkatalog Umweltschutz Bayern (2019); Verordnung Nationalpark Berchtesgaden § 9; NSG-Verordnungen Ammergebirge und Karwendel; Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen; Deutscher Alpenverein (17.06.2025); BbgNatSchAG § 22; Websites der Campingplätze und Plattformen. Stand Oktober 2026, keine Rechtsberatung.
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