Die Quagga-Muschel ist eine invasive Muschel aus dem Schwarzmeerraum. Sie ist im Chiemsee und im Starnberger See nachgewiesen. Im Ammersee fanden Fachleute genetische Spuren. Ist sie einmal in einem See, lässt sie sich nicht mehr entfernen. Deshalb kommt es auf Bootsfahrer, Stand-up-Paddler und Angler an.
- Herkunft: Flussmündungen am Schwarzen Meer, in Deutschland seit 2005
- Nachweise in Bayern: Bodensee, Chiemsee, Starnberger See, Ammersee, Rothsee, Ilsesee
- Sie überlebt bis zu vier Tage außerhalb des Wassers
- Wichtigste Regel: Boote und SUPs reinigen und mindestens fünf Tage trocknen lassen
- Wörthsee und Königssee sind bisher frei
Was ist die Quagga-Muschel?
Der wissenschaftliche Name lautet Dreissena rostriformis bugensis. Die Muschel stammt aus den Mündungen von Dnepr und Südlichem Bug in der Ukraine. Über Schiffe und Kanäle hat sie sich über Europa und Nordamerika verbreitet. In Deutschland wurde sie 2005 zum ersten Mal gefunden, zuerst in Donau, Main und Rhein.
Die Muschel wird meist knapp zwei Zentimeter lang, große Tiere erreichen drei Zentimeter. Ihre Schale hat helle und dunkle Streifen. Sie ähnelt der Zebramuschel, die schon länger in bayerischen Seen lebt. Anders als diese hat sie keinen scharfen Kiel und eine rundere Unterseite.
In welchen bayerischen Seen gibt es die Quagga-Muschel?
Das Bayerische Landesamt für Umwelt führt mehrere Gewässer mit Nachweis. Im Alpenvorland sind gleich drei große Seen betroffen.
| See | Nachweis | Stand |
|---|---|---|
| Bodensee | 2016 | ganzer See besiedelt |
| Chiemsee | 2024 | stark ausgebreitet |
| Starnberger See | 2025 | Muscheln nachgewiesen |
| Ammersee | Stand 2026 | genetische Spuren |
| Rothsee, Ilsesee | bekannt | nachgewiesen |
| Wörthsee, Königssee | nein | bisher frei |
Im Starnberger See fiel die Muschel im Herbst 2025 auf. Das Landesamt fand sie bei genetischen Analysen im Rahmen einer Schadstoffüberwachung an Muscheln. Danach hat die TU München Wasserproben aus weiteren Seen im Landkreis Starnberg genommen. Am Chiemsee soll Anfang 2027 ein Monitoring starten, das unter anderem die Folgen für die Fische untersucht.

Warum ist die Quagga-Muschel gefährlich?
Die Muschel vermehrt sich sehr schnell. Ihre Larven schweben frei im Wasser und sind mit bloßem Auge nicht zu sehen. Sie besiedelt auch große Tiefen und harten wie weichen Grund. So verdrängt sie heimische Muscheln.
Jede Muschel filtert große Mengen Wasser und frisst dabei das Plankton. Das fehlt dann am Anfang der Nahrungskette. Fische finden weniger Futter, der See verändert sich grundlegend. Am Bodensee hat sich das Nahrungsnetz nach der Besiedlung deutlich verschoben.
Dazu kommen hohe Kosten. Die Muschel wächst an Bootsrümpfen, Bojen und Stegen fest. Sie verstopft Kühlsysteme von Motoren sowie Wasser- und Abwasserleitungen. Die Bodensee-Wasserversorgung hat bis 2023 rund 5,8 Millionen Euro dafür ausgegeben. Badegäste können sich an den scharfen Schalen schneiden.
Wie verbreitet sich die Muschel?
Von See zu See gelangt sie vor allem mit Freizeitgeräten. Larven stecken im Restwasser von Booten, Bilgen und Ködereimern. Erwachsene Tiere hängen an Rümpfen, Trailern oder Ankerleinen. Schon ein paar Tropfen in der Naht einer Luftmatratze reichen aus.
Gefährdet sind daher vor allem Seen, zwischen denen viele Menschen wechseln. Im Fünfseenland liegen Ammersee, Starnberger See, Wörthsee und Pilsensee nur wenige Kilometer auseinander.

Was können Bootsfahrer, SUP-Paddler und Angler tun?
Die Landratsämter werben mit der KLAR-Regel. Sie gilt für alles, was im Wasser war: Boote, Kajaks, SUPs, Neoprenanzüge, Angelzeug und Luftmatratzen.
| Schritt | Was zu tun ist |
|---|---|
| K wie Kontrollieren | Rumpf, Trailer, Leinen und Ausrüstung nach Muscheln und Pflanzen absuchen |
| L wie Leeren | Restwasser aus Boot, Bilge und Eimern ablassen, nicht in einen anderen See |
| A wie Abspülen | mit heißem Wasser von mindestens 45 Grad reinigen |
| R wie Ruhen lassen | alles mindestens fünf Tage komplett trocknen lassen |
Heißes Wasser wirkt am besten. Bei 65 Grad sterben die Larven in weniger als einer Minute. Wer an einem Tag zwei Seen besuchen will, nimmt am besten zwei verschiedene Ausrüstungen mit. Funde an bisher freien Seen meldet man der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt.
Wie die Seen der Region in der Eiszeit entstanden, zeigt unser Artikel zu den Spuren der Eiszeit im Alpenvorland. Einen Überblick über die ganze Landschaft gibt der Beitrag zum Bayerischen Alpenvorland.
Was tun Gemeinden und Behörden?
Die Gemeinden am Ammersee und am Starnberger See rufen ihre Bürger und Gäste zur Vorsicht auf. Herrsching hat dazu eine eigene Meldung veröffentlicht. Der Landkreis Starnberg informiert auf seiner Webseite über die KLAR-Regel. Segelvereine geben die Hinweise an ihre Mitglieder weiter.
Noch weiter geht der Nationalpark Berchtesgaden. Der Königssee ist bisher frei. Die Nationalparkleitung fordert dort ein Verbot von SUPs und Luftmatratzen auf dem ganzen See. Im südlichen Teil gilt das schon, im nördlichen Teil an den Badestellen bisher nicht.
Häufige Fragen zur Quagga-Muschel
Woran erkenne ich die Quagga-Muschel?
Sie ist bis zu drei Zentimeter groß und hell und dunkel gestreift. Von der Zebramuschel unterscheidet sie sich durch die rundere Unterseite ohne scharfe Kante.
Wie lange überlebt die Quagga-Muschel ohne Wasser?
Erwachsene Tiere überleben bis zu vier Tage an der Luft. Deshalb sollen Boote mindestens fünf Tage trocknen.
Kann man die Quagga-Muschel bekämpfen?
In großen Seen nicht. Ist sie einmal da, bleibt sie. Nur in kleinen Stauseen wie dem Rothsee half es, den Wasserstand abzusenken.
Ist Baden im Starnberger See noch möglich?
Ja, Baden bleibt erlaubt. Badeschuhe schützen vor Schnitten an bewachsenen Steinen und Stegen.
Quellen: Bayerisches Landesamt für Umwelt (über Abendzeitung München), Landratsamt Starnberg, Gemeinde Wörthsee, Gemeinde Herrsching, Nationalpark Berchtesgaden (über Abendzeitung), Radio Oberland, Herrsching Online, Wikipedia (Stand Oktober 2026).
Foto 1: Ryan Hodnett, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (Beitragsbild)
Foto 2: Achim Lammerts, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Foto 3: Diego Delso, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons




