Die Spuren der Eiszeit im Alpenvorland siehst du fast überall: in den großen Seen, den sanften Moränenhügeln und der flachen Münchner Schotterebene. Gewaltige Gletscher stießen mehrmals aus den Alpen ins Vorland vor. Beim Abschmelzen hinterließen sie eine Landschaft, die Geographen als Glaziale Serie beschreiben. Dieser Artikel zeigt, welche Formen du heute noch erkennst.
- Albrecht Penck beschrieb die Glaziale Serie 1882 erstmals am Beispiel des Alpenvorlands.
- Vier große Kaltzeiten prägten die Region: Günz, Mindel, Riß und Würm.
- Vor rund 20.000 Jahren reichte das Eis bis Landsberg am Lech und an den Rand Münchens.
- Starnberger See, Ammersee und Chiemsee liegen in ehemaligen Zungenbecken.
- Das Eberfinger Drumlinfeld bei Weilheim zählt rund 360 Drumlins.
Was ist die Glaziale Serie im Alpenvorland?
Die Glaziale Serie beschreibt die typische Abfolge von Landschaftsformen, die ein Vorlandgletscher hinterlässt. Der Geograph Albrecht Penck prägte den Begriff 1882 im nördlichen Alpenvorland. Später übertrug man ihn auf das Inlandeis in Norddeutschland und andere Teile Mitteleuropas. Von innen nach außen folgen vier Formen aufeinander:
| Form | Entstehung | Beispiel im Alpenvorland |
|---|---|---|
| Zungenbecken mit Grundmoräne | Eis schürft eine Wanne aus und lagert Material am Grund ab | Starnberger See, Ammersee |
| Endmoräne | Schutt am Rand der Gletscherzunge bildet Hügelketten | Moränenwälle bei Leutstetten |
| Sander oder Schotterebene | Schmelzwasser lagert Kies und Sand vor der Endmoräne ab | Münchner Schotterebene |
| Abflussrinne | Flüsse führen das Schmelzwasser ab | Donau statt Urstromtal |
Ein großer Unterschied zur Norddeutschen Tiefebene im Norden Deutschlands betrifft das letzte Glied. Im Norden sammelten breite Urstromtäler das Schmelzwasser. Im Alpenvorland übernahm diese Rolle die Donau mit ihren Zuflüssen wie Isar, Lech und Inn.
Welche Kaltzeiten formten das Alpenvorland?
Für die Geologie ist das Eiszeitalter ein junger Abschnitt in der Geschichte der Erde. Es begann vor rund 2,6 Millionen Jahren. Kaltzeiten und Warmzeiten wechselten sich in dieser Epoche der Erdgeschichte mehrfach ab. Albrecht Penck und Eduard Brückner benannten die großen Vereisungen Anfang des 20. Jahrhunderts nach vier Flüssen im schwäbisch-bayerischen Vorland:
| Kaltzeit | Spuren heute |
|---|---|
| Günz | alte, verfestigte Schotter auf Hochflächen |
| Mindel | stark abgetragene Moränen, ältere Schotterflächen |
| Riß | größte Ausdehnung, Altmoränen weit im Norden |
| Würm | frische Jungmoränen, heutige Seen und Moore |
Die Würm-Kaltzeit hat das heutige Landschaftsbild am stärksten geprägt. Ihr Maximum erreichte sie vor etwa 20.000 Jahren. Der Isar-Loisach-Gletscher reichte damals bis Landsberg am Lech, Grafrath, Leutstetten und Hohenschäftlarn. Der Gletscherrückzug begann wenig später. Vor rund 11.700 Jahren endete die letzte Kaltzeit, mit dem wärmeren Klima begann die heutige Warmzeit.
Wie haben Gletscher die Landschaft geformt?
Gletscher wirken auf zwei Arten: durch Erosion und durch Ablagerung. Beide hatten großen Einfluss auf das heutige Relief. Beim Gletschervorstoß schürfte das Gletschereis Täler aus und schliff den Untergrund ab. Steine im Eis wirkten dabei wie Schleifpapier. Beim Abschmelzen blieb das mitgeführte Material liegen. So entstanden Hügel, Wälle und weite Ebenen aus Kies, Sand und Lehm.
Durch die Alpentäler von Inn, Isar, Loisach und Lech schoben sich die Eisströme ins Vorland. Dort breiteten sie sich zu fächerförmigen Gletscherzungen aus. Jeder dieser Vorlandgletscher hinterließ sein eigenes Gebiet mit Zungenbecken, Moränen und Schotterflächen.
Welche Ablagerungsformen gibt es?
Moränen: Endmoräne, Grundmoräne, Seitenmoräne
Moränen sind Ablagerungen aus Gesteinsschutt, den der Gletscher transportiert hat. Das Material ist unsortiert: Ton, Sand, Kies und große Blöcke liegen durcheinander. Je nach Lage unterscheidet man drei Typen.
| Typ | Lage | So erkennst du sie |
|---|---|---|
| Endmoräne | am Rand der Gletscherzunge | bogenförmige, bewaldete Hügelketten |
| Grundmoräne | unter dem Gletscher | flachwellige Grundmoränenlandschaft mit Wiesen und Mooren |
| Seitenmoräne | an den Flanken des Gletschers | Wälle entlang der Talhänge |
Zungenbeckenseen: Starnberger See, Ammersee und Chiemsee
Unter der schweren Gletscherzunge entstand eine tiefe Wanne, das Zungenbecken. Nach dem Abschmelzen dämmte die Endmoräne das Becken ab, und es füllte sich mit Schmelzwasser. So entstanden die großen Seen im bayerischen Alpenvorland. Der Isar-Loisach-Gletscher schuf die Becken von Starnberger See und Ammersee. Der Inn-Chiemsee-Gletscher hinterließ den Chiemsee, das „Bayerische Meer“. Auch der Staffelsee ist ein Zungenbeckensee.
Toteislöcher und Osterseen
Beim Rückzug blieben große Eisblöcke im Schutt liegen. Dieses Toteis schmolz erst viel später. Wo es lag, sackte der Boden ein und es entstand ein Toteisloch. Die Osterseen südlich des Starnberger Sees sind so entstanden. Viele kleine Weiher und Moore im Voralpenland haben dieselbe Herkunft.
Münchner Schotterebene und Löss
Vor den Endmoränen flossen die Schmelzwässer nach Norden ab. Sie lagerten Kies und Sand in breiten Schwemmfächern ab. Die Münchner Schotterebene ist die größte dieser Schotterflächen. Ihr Material stammt aus mehreren Kaltzeiten. Durch die Ebene zieht sich manche alte Schmelzwasserrinne, in der heute Bäche fließen. Aus den trockenen Schotterflächen blies der Wind feinen Staub aus. Er lagerte sich weiter nördlich als fruchtbarer Löss ab.
Was sind Drumlins und wo findest du sie?
Drumlins sind längliche, stromlinienförmige Hügel aus Grundmoränenmaterial. Der Gletscher hat sie beim Darüberfließen geformt. Sie erinnern an ein umgedrehtes Löffelchen: Die steile Seite zeigt zum Gebirge, die flache Seite in Fließrichtung des Eises. Drumlins treten meist in Gruppen auf.
Das bekannteste Beispiel in Oberbayern ist das Eberfinger Drumlinfeld zwischen Weilheim und dem Starnberger See. Es umfasst rund 360 Drumlins mit Längen von gut 100 bis 1.900 Metern. Beim Blick von einer Anhöhe wirken die Hügel wie eine Reihe grüner Walrücken. Feldwege führen mitten durch das Gebiet. Das Gebiet ist als Natura-2000-Fläche geschützt. Auch in Oberschwaben gibt es große Drumlinfelder.
Exkurs: Findlinge im Alpenvorland
Findlinge, auch erratische Blöcke genannt, sind große Gesteinsbrocken, die das Eis weit transportiert hat. Im Alpenvorland stammen viele vor allem aus den Zentralalpen. In der Geographie gelten sie als Leitgesteine, weil sie die Herkunft des Eises verraten. Granit oder Gneis passen nicht zum Untergrund aus Kies und Mergel, daran erkennst du sie. Manche Findlinge sind mehrere Kubikmeter groß. Einige stehen heute als Naturdenkmal unter Schutz.
FAQ: Spuren der Eiszeit im Alpenvorland
Wo sieht man Spuren der Eiszeit im Alpenvorland am besten?
Gute Orte sind das Eberfinger Drumlinfeld, die Osterseen, die Endmoränen bei Leutstetten und die Ufer von Starnberger See, Ammersee und Chiemsee. Auch die Moorlandschaft im Murnauer Moos zeigt die Folgen der Vereisung.
Wie dick war das Eis im Alpenvorland?
In den Alpentälern war das Eis mehrere hundert Meter dick. Zum Rand hin wurde es flacher. Nur die höchsten Gipfel ragten aus dem Eis heraus.
Was unterscheidet das Alpenvorland von Norddeutschland?
In Norddeutschland kam das Inlandeis aus Skandinavien. Im Alpenvorland waren es Gletscher aus den Alpen. Statt Urstromtälern führte hier die Donau das Schmelzwasser ab.
Quellen: Albrecht Penck, Die Vergletscherung der Deutschen Alpen (1882); Penck und Brückner, Die Alpen im Eiszeitalter (1901 bis 1909); Bayerisches Landesamt für Umwelt, Naturraum Fünfseenland; Regierung von Oberbayern, Natura 2000 Eberfinger Drumlinfeld; Lexikon der Geowissenschaften, Glaziale Serie.
Foto 1: Nirjhar Basak, Pexels (kostenlos nutzbar)




